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Mensch gegen Maschine: Gewinnt IBMs Supercomputer Watson Jeopardy?

Mensch gegen Maschine: Gewinnt IBMs Supercomputer Watson Jeopardy?

IBMs Supercomputer Watson tritt in der US Fernseh-Quizshow Jeopardy gegen Ken Jennings und Brad Rutter, die beiden erfolgreichsten Jeopardy Kandidaten aller Zeiten, an. Das dreitägige Spiel findet von heute bis zum 16. Februar 2011 statt. Und die Welt wird zuschauen.

Computer haben gelernt auf dem Niveau eines Großmeisters Schach zu spielen. Und können durch Berechnungen ähnlich einfache Dinge lösen. Aber Jeopardy, einen Ratequiz, spielen? Die spannende Frage ist:

Gewinnt IBM Watson gegen die Menschen im Jeopardy?

Bevor die Frage nach dem Gewinn beantwortet werden kann müssen wir genau verstehen, wie Watson funktioniert und welche Energieleistung die IBM Entwicklungsabteilung in die Entwicklung des Supercomputers gesteckt hat.

Wie funktioniert IBM Watson? Und wo liegen seine Schwächen?

IBMs Supercomputer ist nach dem IBM-Gründer Thomas J. Watson benannt und verfügt mit 2880 Prozessorkernen über eine geballte künstliche Intelligenz. Watson ist als „Frage-Antwort-Maschine“ entworfen. Dabei legten seine Entwickler den Fokus auf das Verstehen der menschlichen Sprache. Für einen Fernseh-Quiz wie Jeopardy muss Watson menschliche Ausdrücke, Formulierungen und Redewendungen exakt verstehen und richtig verarbeiten können. Die Herausforderung für die Entwickler im IBM Forschungslabor: Watson kann ausschließlich rechnen. Menschen können aufgrund ihrer Lebenserfahrung Reime oder Wortspiele interpretieren und verstehen Ironie. Watson hingegen muss sich der Bedeutung des Gehörten, der Semantik, über zahlreiche Algorithmen annähern. Und dann noch die passende Lösung finden. Dabei versteht Watson kann den Sinn einer Frage oder Aufgabe nicht. Er berechnet nur die wahrscheinlichste Lösung, bei Jeopardy die naheliegendste Antwort zur gestellten Frage.

Die meisten Menschen werden sicherlich vermuten, die beiden Menschen, noch dazu die beiden erfolgreichsten Jeopardy Spieler aller Zeiten, sollten das Match gewinnen, nicht wahr? Denn sie verfügen über etwas, dass IBM Watson nicht hat: ein Gehirn.

Doch so einfach ist das nicht. Wissentlich, dass die Herausforderungen für Watson enorm sind und die Tests teilweise im Desaster endeten: ich tippe trotzdem mutig auf einen Sieg der Maschine.

Watson’s Stärken

Hier sind meine fünf Gründe, die für Watson sprechen:

1. Rechenleistung gegen menschliches Gehirn

Ja, die beiden Jeopardy Champions Ken Jennings und Brad Rutter haben Gehirne. Aber sie haben jeweils nur ein Gehirn. Watson hingegen hat das intellektuelle Potential der IBM Forschung, engl. IBM Lab. Watson verfügt über das kollektive Gehirn von vielen genialen Menschen, die ihn entwickelt und getestet haben und Watson so stark gemacht haben wie sie können.

2. Großes Erinnerungsvermögen

Rutter und Jennings müssen sich als Menschen Fakten merken. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass sie die Antwort auf eine Frage wissen, sich aber in der Kürze der verfügbaren Antwortzeit nicht erinnern. „Ich weiß, dass ich die Antwort kenne, aber ich komme gerade nicht darauf …“. Watson hat es hier hingegen wesentlich einfacher. Er benötigt nur den Zugriff auf die Datenbanken und kann diese analysieren.

3. Riesige Datenmenge verfügbar

Watson hat Zugriff auf Daten in seinen Datenbanken. Und zwar auf sehr viele Daten. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass die Informationen für die Antwort auf den Datenbanken enthalten sind. Die Herausforderung für Watson ist die Datenbanken nach Bedarf zu selektieren und zu analysieren.

4. Kein Lampenfieber und Emotionen

Watson hat den großen Vorteil, dass ihn keine Emotionen behindern. Auch Watson wird falsch antworten, aber sein Selbstbewusstsein als Maschine bleibt ungebrochen. Während seine humanen Kontrahenten an ihrem Intellekt zweifeln werden.

5. Volle Konzentration – keine Ablenkung

Watson hat nichts Besseres zu tun als Jeopardy spielen. Er wird nicht abgelenkt sein und auch nicht darüber nachdenken, ob die Kinder ihre Hausaufgaben erledigt haben. Oder dass er zum Abendessen spät nach Hause kommt. Keine Ablenkungen, ob er vor der Kamera bei den Fernsehzuschauern sympathisch rüber kommt oder die Krawatte richtig sitzt. Oder gar zu träumen, was er mit sich von seinem Gewinn kaufen wird.

Trotzdem wette ich, dass alle Augen auf Watson gerichtet sein werden. Ich werde das Duell Mensch gegen Maschine anschauen und mich bei einem Sieg von Watson für IBM freuen. Was ist mit Ihnen?

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Oliver Müller-Marc ist Marketing- und Vertriebsmann aus Leidenschaft, Herausgeber des Blogs 9PT und Gründer der Unternehmensberatung enseGO. Er liebt das Internet, Sport, Kochen, guten Wein und jede Menge schwarzen Kaffee aus der Siebträgermaschine.

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