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Der Hype um Facebook: Unternehmenswert bei 50 Milliarden Dollar?

Der Hype um Facebook: Unternehmenswert bei 50 Milliarden Dollar?

Facebook macht derzeit 500 Millionen US-Dollar Nettogewinn bei annähernd 2 Milliarden US-Dollar Umsatz. Kann man Facebook bei diesen derzeitigen Geschäftszahlen mit 50 Milliarden US-Dollar bewerten, wie von Goldman Sachs geschehen? Ja, das kann man. Wir haben den Unternehmenswert von Facebook analysiert und zeigen auf warum die Bewertung gerechtfertigt ist.

Hysterische Kritiker der Bewertung, die sich auf die Internetblase Anfang der 90er Jahre berufen, machen es sich definitiv zu einfach. Orientiert man sich an der aktuellen Bewertung von Google, so können Investoren auch Facebook ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 20 zugestehen. Dann müsste Facebook für die Rechtfertigung eines Börsenwertes von 50 Milliarden US-Dollar künftig einen Nettogewinn von 2,5 Milliarden US-Dollar erwirtschaften. Wie realistisch ist das?

Facebook Unternehmenswert Berechnung

Das Geschäftsmodell von Facebook ist sehr gut skalierbar. Lag die Nettogewinnmarge im Jahr 2009 noch bei 25 Prozent, so liegt sie für das Jahr 2010 bereits bei fast 30 Prozent. Ein solch erfolgreiches Geschäftsmodell lässt normalerweise Wettbewerber wie Pilze aus dem Boden schießen. Bei Facebook jedoch passiert das Gegenteil.

MySpace, im Jahr 2008 noch im Vergleich vor Facebook und als klarer Marktführer positioniert, verliert zunehmend an Marktanteilen und scheint im Expressflug auf dem Weg in die Bedeutungslosigkeit. Weitere mit dem Platzhirsch vergleichbare Netzwerk – Fehlanzeige. Lediglich in einzelnen Ländern gibt es soziale Plattformen wie StudiVZ oder Wer-kennt-wen in Deutschland, doch international ist kein echter Wettbewerber von Facebook in Sicht. Die unglaubliche Erfolgsgeschichte von Facebook scheint, wie seinerzeit bei eBay, den Wettbewerb zu marginalisieren.

Nutzerzahlen von Facebook im Vergleich zu Google

Derzeit hat Facebook 500 Millionen registrierte Nutzer. Das entspricht 25 Prozent der weltweiten Internetnutzer. Google hingegen besitzt Nutzungsraten von über 60 Prozent. Facebook hat also noch großes Wachstumspotential und wird mit Sicherheit, wie in der Vergangenheit, schnell weiter wachsen. Die Hürde von einer Milliarde registrierter Nutzer wird Facebook bald nehmen.

Geschäftspotentiale von Facebook

Mit den schnell wachsenden Nutzerzahlen wächst bei Facebook der Umsatz aus gesponserten Links und Werbung überproportional. Und das mit bisher halbherzigen Geschäftsideen. Facebook hat noch gar nicht begonnen, sein wahres Geschäftspotential zu nutzen.

Facebook beginnt gerade erst, das Portal für verschiedenartige Online-Aktivitäten wie Spiele, Chats und Videos zu werden. Facebook besitzt ein geniales virales Marketing. Die enge Vernetzung der Nutzer untereinander hält die Mitglieder lange auf Facebook. Mit der Nutzungsdauer wachsen die Erlöse aus eingebundenen Online-Aktivitäten und Werbung.

E-Commerce

Der Ausbau von des Unternehmens zu einem E-Commerce-Portal würde den Umsatz und Gewinn von Facebook signifikant erhöhen. Ein Credit-System zum Bezahlen von virtuellen Gütern besteht schon lange bei Facebook. Auch die Anstrengungen, die Facebook bei Verschlüsselungen mit HTTPS unternimmt, ein Verfahren, dass auch im Online Banking eingesetzt wird, sprechen für eine Erweiterung von Facebook hin zu einem E-Commerce-Portal.

B2B: Geschäftsnutzer

In Zukunft könnte es zwei verschiedene Facebookprofile geben. Weiterhin das kostenlose Profil für Privatkunden, und ein bezahltes Profil für Businesskunden. Da die Facebooknutzer bereitwillig ihre privaten Aktivitäten und Meinungen mit Freunden teilen, warum nicht auch im B2B Kontext mit den geschäftlichen Kontakten?

Eine weitere Option für Facebook wäre, das Businessnetzwerk LinkedIn zu übernehmen. LinkedIn, internationaler Marktführer für Businessnetzwerke, verfügt bereits über diese lukrativen Geschäftskunden. Ob privat oder geschäftlich, alle Kontakte unter einem Dach, dem von Facebook. Und damit einfach zu verwalten und zu pflegen. Einfachheit ist im Web ein erfolgversprechender Faktor. Separate Accounts bei Netzwerken wir LinkedIn und dem Wettbewerber Xing, bei Wer-kennt-wen oder StudiVZ, wären damit überflüssig.

Bezahlte Facebook Mitgliedschaften für Geschäftskunden

Mit ansteigenden Benutzerzahlen von Geschäftskunden stiege auch die Bereitschaft, für die Facebook Mitgliedschaft zu bezahlen. Bei Xing sind ungefähr 10 Prozent aller Nutzer so genante Premium-Mitglieder, die auf eine erweiterte Funktionalität zurückgreifen können. Die Premium-Mitgliedschaft kostet bei Xing derzeit 5,95 Euro im Monat.

Zurück zum Kurs-Gewinn-Verhältnis

Musterrechnung: Unterstellen wir in naher Zukunft eine Mitgliederbasis bei Facebook von 1 Milliarde Nutzern. Würden dann, analog zu Xing, 10 Prozent der Nutzer einen monatlichen Beitrag für die Businessmitgliedschaft von 5 US-Dollar bezahlen, so ergeben sich durch die Nutzergebühren zusätzliche jährliche Einnahmen von 6 Milliarden US-Dollar für Facebook. Bei Annahme einer Nettogewinnmarge von 50% könnten allein bezahlte Mitgliedschaften der Geschäftskunden den zu Beginn des Artikels berechnete 2,5 Milliarden US-Dollar Nettogewinn erwirtschaften, welche die Bewertung für Facebook auf 50 Milliarden US-Dollar von Goldman Sachs gerechtfertigt.

Ausblick

Als Google im Jahr 2004 an die Börse ging haben Kritiker den Emissionspreis von 85 US-Dollar je Aktie als Hype und überbewertet abgetan. Heute hat Google einen Marktwert von 200 Milliarden Dollar. Und die Google Aktie hat mittlerweile einen Wert von über 600 US-Dollar.

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Oliver Müller-Marc ist Marketing- und Vertriebsmann aus Leidenschaft, Herausgeber des Blogs 9PT und Gründer der Unternehmensberatung enseGO. Er liebt das Internet, Sport, Kochen, guten Wein und jede Menge schwarzen Kaffee aus der Siebträgermaschine.

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