Finanzierung

Basel III

Basel III

Bei der Kreditvergabe müssen Banken nicht erst seit Basel III (als Basel 3 ausgesprochen) sicherstellen, dass diese Kredite mit einer bestimmten Menge Eigenkapital hinterlegt sind. Diese international verbindlichen Regelungen existieren bereits seit dem Jahr 1988. Dieser Blog geht fachlich auf die Neuregelungen durch Basel III ein.

Historie von Basel III

Eine dieser Regeln, Basel I, nach dem Tagungsort des internationalen Komitees in Basel benannt, bestimmt, dass die an Unternehmen ausgegebenen Kredite mit mindestens 8% Eigenkapital bei der Bank zu unterlegen sind. Dadurch wird das Geschäft der Bank begrenzt und stellt zugleich sicher, dass die Bank genug eigene Mittel hinterlegt hat, um eventuelle Verluste ausgleichen zu können. 2004 fand im Zuge von Basel II eine Überarbeitung der Regelung bezogen auf die der Eigenkapitalunterlegung statt. Eine wesentliche Änderung wurde eingeführt: Kredite sollten ab sofort stärker risikoorientiert betrachtet werden. Unternehmen, die keine so gute Bonität vorweisen können, bekommen Kredite, welche die Bank mit mehr Eigenkapital hinterlegen muss. Und umgekehrt, Kredite für Unternehmen, welche eine gute oder sehr gute Bonität aufweisen, dürfen mit weniger Hinterlegung von Eigenkapital ausgereicht werden. Diese neue schärfere Regelung wurde in Folge zur ersten – Basel II benannt und gelten in Deutschland seit Anfang des Jahres 2008.

Die Finanzmarktkrise führte auch dazu, dass es zu einer erneuten Diskussion zum Thema „Eigenkapital“ kam. In der Krise stellte man fest, dass die Banken eine zu geringe Menge Eigenkapital vorhielten und dass die Eigenkapitalqualität nicht der erforderlichen Qualität entsprach. Diese Tatsache führte zur Diskussion und neuen Regel „Basel III“ (Basel 3) .

Basel III Neuerungen

Ab 2013 bis zu Jahresbeginn 2015 müssen Banken ihre Kernkapitalquote schrittweise von 4% auf 6% anheben. Die Kernkapitalquote ist eine Kennzahl aus der Betriebswirtschaftslehre, welche die Kapitalstruktur analysiert. Sie ergibt sich aus dem Verhältnis zwischen dem Eigenkapital und den risikotragenden Geschäften (Risikoaktiva). Parallel dazu müssen die Banken das Gewicht des Kernkapitals, welches sich hauptsächlich aus Gesellschaftskapital und Gewinnrücklagen zusammensetzt, erhöhen. Diese Quote beträgt dann nicht mehr 2%, sondern 4,5%. Die Geldinstitute müssen zusätzlich einen harten Kapitalerhaltungspuffer von 2,5% aufbauen. Zusammengerechnet kommt man dann auf eine Mindest-Kernkapitalquote von 8,5%. Hinzu kommt, dass ab 2018 die Gesamtbilanzsumme maximal den 33 fachen Wert des Eigenkapital betragen darf, unabhängig davon mit welchem Risiko die Wertpapiere oder Kredite behaftet sind. Ebenso müssen die Banken beginnend mit dem Jahr 2015 kurzfristige Zahlungsverpflichtungen, also alle Fälligkeiten innerhalb von 30 Tagen, mit liquiden Vermögenswerten wie Bargeld, Staatspapiere oder Zentralbankguthaben sichern. Die Fristentransformation wird ab dem Jahr 2018 deutlich eingeschränkt. Darunter versteht man, dass kurzfristige Einlagen, z.B. nicht mehr oder nur noch eingeschränkt mit längerfristigen Krediten ausgeliehen werden können.

Auswirkungen für Banken

Für Banken sind die Auswirkungen von Basel III erheblich. Die Vorschriften bezüglich der Liquidität geben vor, mehr in liquide Anlagen zu gehen und damit auch weniger in ertragsstarke Produkte anlegen zu können. Durch die Einschränkung in der Transformation der Fristen verteuert sich die Bankenfinanzierung. Es muss deutlich mehr Eigenkapital und Eigenkapital hochwertigerer Qualität verzinst werden. Private Banken mit tragfähigen Geschäftsmodellen werden sich leichter tun, diesen Anforderungen gerecht zu werden. Es ist wichtig, dass die Einführung von Basel III weltweit und gleichzeitig stattfinden wird. Wenn sich die USA nicht an die neuen Regeln halten sollten ergeben sich für die europäischen Banken Wettbewerbsnachteile.

Basel III Zusammenfassung

Zusammenfassend ist festzuhalten: In Zukunft müssen Bankinstitute bei Krediten stärker denn je zuvor auf risikogerechte Zinsen achten. Banken werden versuchen, die Kostensteigerungen über ein angehobene Eigenkapitalunterlegung und eine teurere Refinanzierung an die Kunden weiterzugeben. Ob und wie stark das gelingt bestimmt der Wettbewerb der Banken untereinander.

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Daniela Müller-Marc ist Finanzprofi und berät seit vielen Jahren Unternehmen und Konzerne zu klassischen und modernen Finanzierungen. In Ihrer Freizeit reist sie gerne, fährt Ski und spielt leidenschaftlich gern Tennis.

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