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LinkedIn Top Nutzer: Auszeichnung oder Marketingtrick?

LinkedIn Top Nutzer: Auszeichnung oder Marketingtrick?

LinkedIn schickt mir diese Woche eine eMail mit 2 Themen: Erstens ist mein Profil eines der Top 1% meistbesuchten Profile auf LinkedIn. Und zweitens hat LinkedIn mittlerweile mehr als 200 Millionen Mitglieder weltweit. Eigentlich veröffentliche ich solche “Awards” nicht auf 9PT. Doch ich habe mich über die Tatsache sehr gewundert und mir daraufhin Gedanken gemacht, ob man sich über solche Auszeichnung freuen soll. Und möchte meine Erkenntnisse dazu teilen.

LinkedIn EMail

“You have one of the top 1% most viewed LinkedIn profiles for 2012.”

Um es vorwegzunehmen, ich freue mich nicht über diese Nachricht. Und erkläre auch gleich, warum das so ist.

Zunächst war ich sehr überrascht über die Tatsache, dass 99% aller LinkedIn Benutzer ihr Profil weniger nutzen als ich. Vor allem wenn man bedenkt, dass ich im Jahr 2012 auf den Business Netzwerken LinkedIn und Xing sehr wenig Zeit verbracht habe. Also 99% aller LinkedIn Benutzer noch weniger Zeit auf der Plattform verbringen. Keine Aktivität in Gruppen, wenige Inhalte wie Blogs etc. verteilt, und erst Recht keine neuen Kontakte gesucht und hinzugefügt. Wie komme ich dann bloß in die Top1%?

Top 1% von 200 Millionen?

Machen wir ein kleines Rechenbeispiel. LinkedIn teilt in der selben eMail mit, dass die Plattform mittlerweile über mehr als 200 Millionen Mitglieder weltweit verfügt. Nehmen wir die 200 Millionen Mitglieder als Schnitt für das Jahr 2012 an und setzen die 1% dazu ins Verhältnis, dann bin ich also einer der weltweit 2 Millionen Top-Mitglieder. Ihr merkt schon, echte Auszeichnung sieht anders aus.

Wenn der Vice President gratuliert

Nun wollte ich es genauer wissen. Klickt man in der eMail auf “Read More” kommt man auf eine LinkedIn LandingPage.

Dort gratuliert mir Deep Nishar, Senior Vice President Products & User Experience, persönlich in einem schön gestalteten Brief. Ebenfalls positiv, LinkedIn hat sich die Mühe gemacht, den Text des Briefes in die deutsche Sprache zu übersetzen. Doch was sehe ich rechts neben dem Brief? Der Augenmerk soll auf das Social Sharing des “Erfolges” bei LinkedIn, Twitter und Facebook gelenkt werden. Ah, jetzt verstehe ich die ganze Aktion.

Auszeichnung oder Marketingtrick?

Eins vorweg: Ich mag LinkedIn. Und wenn ich ein Business Netzwerk benutze, dann war und ist es LinkedIn. Doch diese Marketingaktion gefällt mir nicht. Was verspricht sich LinkedIn von der Aktion? Möglichst viel Traffic aus Twitter und Facebook zu genieren? Oder geht es eher um neue Nutzer? Oder rein um die Backlinks? Wie viel darf ein Unternehmen bei seinen eigenen Benutzern für Backlinks und Traffic aus Social Media tun?

Ich vermute einmal, dass nicht nur die Top 10% der meistgeklickten Profile mit dem Mailshot angeschrieben wurden, sondern Linkedin kreativ war, um möglichst viele Nutzer bei der Aktion zu involvieren. Bekannt ist dass mindestens die Top 1%, Top 2% und Top 10% sowie die ersten 500.000 Mitglieder in Deutschland (und vermutlich in anderen Ländern ebenfalls) angeschrieben.

Wenn also weltweit über 20 Millionen Mitglieder angeschrieben wurden, und davon nur 2% den Link auf Twitter oder Facebook teilen, dann sind das mehr als 400.000 neue Posts für LinkedIn aus den sozialen Netzwerken Twitter und Facebook. Noch dazu als “persönliche Empfehlung” von den eigenen Mitgliedern gepostet. Und nachdem das persönliche Ego der Nutzer angesprochen wird dürfte die Annahme von 2% eher gering sein. Ebenso werden einige Mitglieder den Link sowohl auf Twitter und Facebook teilen. Vermutlich bekommt LinkedIn weit mehr PR-Posts über den Mailshot. Von diesem Blickwinkel betrachtet keine schlechte PR-Aktion.

Verbesserungsvorschlag

Es geht sicherlich vielen Benutzern so. Zu den weltweit 2 Millionen Top-Mitgliedern zu gehören ist keine Auszeichnung! Über eine individuellere Auszeichnung hätte ich mich gefreut: dass mein Profil von besonders vielen Nutzern aus der Branche XY angeklickt wurde. Dass Besucher meines Profils länger als üblich auf der Seite verweilt sind. Besondere, individuelle Statistiken zu meinen Kontakten. Oder dass ich zu den wenigen männlichen Nutzern gehöre, die auf dem Profilfoto keine Krawatte tragen. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Dann hätte ich die Nachricht auch über Twitter und Facebook verteilt. So bleibt es für mich ein Marketingtrick und eine fragwürdige PR-Aktion mit den eigenen Benutzern.

Was denkst du über die LinkedIn Aktion?

View Comments (1)

1 Comment

  1. Maxi

    May 16, 2016 at 11:30

    Ach ist doch nur eine Marketing Strategie ☺

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Oliver Müller-Marc ist Marketing- und Vertriebsmann aus Leidenschaft, Herausgeber des Blogs 9PT und Gründer der Unternehmensberatung enseGO. Er liebt das Internet, Sport, Kochen, guten Wein und jede Menge schwarzen Kaffee aus der Siebträgermaschine.

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