Business Knigge

Schicke diese Email nicht, greife zum Telefon!

Schicke diese Email nicht, greife zum Telefon!

Wir leben in einer digitalen Welt, in der wir alle einen großen Teil per Email und anderen Internetdiensten kommunizieren. Auch unterwegs sind wir mit Notebook, TabletPC und Smartphone häufig online und damit ständig in Versuchung gebracht, alles per SMS, Email oder über Social Media zu klären. Prinzipiell eine schöne neue Welt. Doch Konflikte lassen sich per Email ebenso wenig lösen wie wichtige Businessentscheidungen vorzubereiten oder an Mitarbeiter und Kunden zu kommunizieren. Wir nennen 3 Gründe, warum in diesen Fällen das Telefon oder ein Live Gespräch die bessere Wahl ist.

Konfliktlösung per Email?

Wir beobachten einen zunehmenden Trend, Konflikte auf digitalem Weg zu lösen. Email scheint zunehmend zum De-facto-Standard der Konfliktlösung zu werden. Frei nach dem Motto: „Wer schreibt, der bleibt“ gibt es immer mehr Menschen, die versuchen, ihre Konflikte per Email zu lösen. Nur warum ist das so? Ist es vermeintlich einfacher, schneller und mit weniger Stress verbunden als eine direkte Auseinandersetzung mit dem Gesprächspartner? Dabei liegen die Probleme bei der digitalen Konfliktlösung doch auf der Hand.

3 Gründe warum Konflikte nicht per Email, sondern nur im Gespräch lösbar sind

1. Kein EQ (emotionale Intelligenz) durch die Schriftform wie Email

Einer der größten Nachteile und Gefahren bei der digitalen Kommunikation per Email, SMS, Social Media etc. ist, dass der Ton sowie der Kontext in der Schriftform vom Empfänger häufig falsch verstanden werden. In einem Gespräch am Telefon oder noch besser in einem direkten Meeting ist das „wie“ man etwas sagt wichtiger als das „was“ man sagt. Auch Gefühle lassen sich schwer in Worte fassen und verhindern eine echte Konfliktlösung per Email. Die Nachteile und Gefahren sprechen eine eindeutige Sprache: „Klicke nicht auf Email beantworten, nimm das Telefon in die Hand oder Besuche deinen Gesprächspartner!“ Nur so lassen sich Missverständnisse klären und Konflikte lösen.

2. Email und Text führen oft zu unnötigen Reaktionen

Viele von uns sind in Gesprächen zurückhaltend und vorsichtig und bitten erst einmal um Bedenkzeit für eine Antwort oder Entscheidung. Bei der digitalen Kommunikation versäumen wir dies häufig. Anstatt erst einmal inne zu halten und nachzudenken wird emotional mit einer Antwort auf die Email reagiert. Im schlimmsten Fall vergrößert sich dabei der Verteiler der Email, häufig wird die nächste Hierarchieebene von Führungskräften in Kopie genommen. Häufig mit bekannten Folgen. In den meisten Fällen verlieren Beide Personen, die sich per Email streiten. Würden die Führungskräfte im Verteiler mit in einem Raum sitzen, wären viele Menschen weit vorsichtiger in der Kommunikation. Die Ironie dabei: Email bietet als „asynchrones Kommunikationsmittel“ eigentlich die Chance zum inne zu halten und nachzudenken. In einem persönlichen Gespräch wird von uns schneller eine Antwort erwartet. Doch das Gegenteil passiert häufig in der Praxis. Emails werden reaktiv, häufig mit hohen Emotionen und ohne nachzudenken, umgehend beantwortet.

3. Digitale Kommunikation dauert wesentlich länger

Versuchen wir per Email Konflikte zu lösen werden wir häufig leidvoll erfahren, dass dies lange dauert. Die oben beschriebene Eskalation führt ebenfalls dazu, dass digital keine echte Kommunikation stattfindet, sondern gegenseitig Romane und Schuldzuweisungen verfasst werden. Die Sachebene kommt dabei häufig zu kurz. Wir schreiben ausführlich über Dinge, die sich in einem persönlichen Gespräch wesentlich schneller klären lassen. Fragt man Mitarbeiter, die sich digital mehrere Tage streiten, ob sie denn den direkten Weg zu einem Gespräch gesucht haben, heißt die traurige Antwort häufig „Nein“.

Zusammenfassung

Email, Blogs und Social Media Plattformen haben unsere Möglichkeiten der Kommunikation in der Art und Weise und der Reichweite bereichert. Doch wir müssen verstehen lernen, dass es bestimmte Situationen wie z.B. Konflikte oder die Kommunikation wichtiger Businessentscheidungen gibt, bei denen die digitale Kommunikation ein Gespräch nicht ersetzen kann. Social Media unterstütz uns, bestehende Beziehungen zu intensivieren und neue Beziehungen aufzubauen. Doch die digitale Kommunikation kann die Wirklichkeit nicht ersetzen.

Lasst uns beim nächsten Mal, sobald wir auf eine Email emotional reagieren, erst einmal inne halten und nachdenken, ob der Sachverhalt besser in einem Gespräch geklärt werden kann. Und lasst uns dann den Mut haben, die digitale Kommunikation zu beenden und zum Telefon zu greifen. Oder noch besser, ein persönliches Treffen vereinbaren!

Click to add a comment

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

Business Knigge

Oliver Müller-Marc ist Marketing- und Vertriebsmann aus Leidenschaft, Herausgeber des Blogs 9PT und Gründer der Unternehmensberatung enseGO. Er liebt das Internet, Sport, Kochen, guten Wein und jede Menge schwarzen Kaffee aus der Siebträgermaschine.

More in Business Knigge

Anleitung Krawatte auswählen und richtig binden [Infografik]

Anleitung Krawatte auswählen und richtig binden [Infografik]

Oliver Müller-MarcJun 1, 2013
Ehrlichkeit findet Anerkennung [Video]

Ehrlichkeit findet Anerkennung [Video]

Oliver Müller-MarcJul 24, 2012
Beratersprech Unternehmensberater

Beratersprech: Wenn Unternehmensberater sprechen [Video]

Oliver Müller-MarcAug 2, 2011
Kurzfilm Validation

Wertschätzung anderer Menschen Privat und im Berufsleben [Video]

Oliver Müller-MarcJun 8, 2011