Wirtschaft aktuell: ifo-Geschäftsklimaindex belegt positive Konjunktur in Deutschland
Die Wirtschaftlage in Deutschland entwickelt sich weiter sehr positiv. Bereits Anfang Februar berichteten wir im Blogeintrag "Wirtschaft aktuell: Deutsche Industrie im Export Höhenflug" bereits darüber, dass die deutsche Industrie den stärksten Frühjahrsaufschwung seit 14 Jahren verzeichnet. Das das enorme Wachstumstempo überraschte im Februar selbst Experten.
Aktuelle Geschäftsklimaindikatoren in Deutschland
Die jüngsten Geschäftsklimaindikatoren in Deutschland belegen: die deutsche Konjunktur in der Wirtschaft nimmt weiter zunehmend Fahrt auf. Der ifo-Geschäftsklimaindex ist im Juli überraschend stark von 101,8 auf 106,2 Punkte gestiegen. Damit erreicht der ifo-Geschäftsklimaindex den höchsten Stand seit drei Jahren. Experten hatten sogar mit einer leichten Verringerung von 101,8 auf 101,5 Punkte gerechnet. Die gestern veröffentlichten deutschen Einkaufsmanagerindizes haben sich ebenfalls kräftig verbessert. Alle Daten lassen deuten auf eine positive Überraschung hin.
Höchststände seit vielen Jahren wieder erreicht
Besonders im Juli hat sich die Beurteilung der gegenwärtigen Lage deutlich verbessert. Im Juli kletterte der Index von 101,2 auf 106,8 Punkte. Auch die Erwartungen der befragten Unternehmen für die kommenden Monate zeigen einen sehr positiven Trend. Hier stieg der Index von 102,5 auf 105,5 Punkte an. Damit ist sogar der höchste Stand seit Mitte der neunziger Jahre erreicht.
Gute Stimmung in allen Bereichen und Branchen
Die gute Stimmung zieht sich quer durch alle Branchen. Selbst der regelmäßig hinterher hinkende Einzelhandel gibt sich im Juli erheblich zuversichtlicher als im Juni. Es besteht berechtigte Hoffnung, dass sich neben den ohnehin gut laufenden Exporten auch die Binnennachfrage und speziell der Private Konsum (B2C) wieder belebt und die Wachstumsbasis damit breiter wird.
Die befürchtete konjunkturelle Abkühlung lässt zumindest in Deutschland nicht erkennen. Vielmehr belegen die aktuellen Daten, dass die deutsche Wirtschaft das dritte Quartal überaus schwungvoll begonnen hat. Damit hat sich die Aussicht auf ein Wirtschaftswachstum von mehr als 2% in diesem Jahr nochmals verbessert.
Gefüllte Auftragsbücher: die deutsche Wirtschaft ist wieder in Partylaune
In der 38-jährigen Umfragegeschichte des ifo-Geschäftsklimaindexes gab es nur zweimal ein noch größeres Plus: in den Jahren 1972 und 1983. Damit wurde das stärkste Plus seit der Wiedervereinigung erreicht. „Die deutsche Wirtschaft ist wieder in Partylaune“, kommentiert Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn den Anstieg des Indexes. Nach Meinung vieler Händlern an der Börse sind die Auftragsbücher der deutscher Industriekonzerne gut gefüllt.
ifo-Geschäftsklimaindex
Der ifo-Geschäftsklimaindex dient als Frühindikator für die konjunkturelle Entwicklung in Deutschland und wird seit dem Jahre 1972 vom ifo Institut für Wirtschaftsforschung monatlich erstellt.
Die Fragebögen des ifo Institut für Wirtschaftsforschung werden in der ersten Woche eines jeden Monats an ca. 7.000 Unternehmen unterschiedlicher Firmengröße und verschiedener Branchen verschickt. Dabei werden die Unternehmen gebeten, die gegenwärtige Geschäftslage zu mitzuteilen und ihre Erwartungen für die kommenden sechs Monate einzuschätzen.
Der Fragebogen besteht aus insgesamt 20 Fragen. Dabei werden die Unternehmen zu folgenden Punkten befragt:
- gegenwärtige Geschäftslage: gut, befriedigend oder schlecht
- Geschäftserwartungen für die kommenden 6 Monate: günstiger, gleich bleibend oder ungünstiger
- der Nachfragesituation: verbessert, nicht verändert oder verschlechtert
- der Zahl ihrer Beschäftigten: zunehmend, gleichbleibend, abnehmend
Daneben enthält der Fragebogen noch Fragen, welche sich abhängig von der Wirtschaftslage verändern. So zum Beispiel im Hintergrund der Finanzkrise ab 2007 die Frage nach der Bereitschaft der Banken bezüglich einer Kreditvergabe.
Aus den Rohdaten werden drei Datenreihen gewonnen:
- Geschäftsklima
- Geschäftsbeurteilung
- Geschäftserwartungen
Diese Datenreihen werden in prozentualer Veränderung zum Vormonat und als absoluter Wert in Bezug auf den Indexstichtag 1. Januar 2000 = 100 veröffentlicht.
Autor: Oliver Müller-Marc, 9PT Unternehmensberatung München